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Vollbild

Alltag, der nicht alltäglich war   
Passauer Schülerinnen erinnern sich an die Zeit zwischen 1928 und 1950

 

Passau, 1999
ISBN 3-929350-43-2

15,20 €

 

 

Leseprobe:
Mein Schulweg führte von unserer Wohnung, Ecke Ludwigstraße/Wittgasse, hinübergewinkt vom Schutzmann, der dort täglich stand, direkt auf die andere Straßenseite. Weiter gings die Theresienstraße, an der evangelischen Kirche vorbei in die Hl.-Geist-Gasse, Schießgrabengasse. Das Schultor an der Nordseite der Nikolaschule war der Eingang für die evangelischen Schüler, die Buben hatten den ihren auf der Innseite und wir Mädchen spazierten über den Schulhof durch das große Tor, hinauf in den 2. Stock in unsere Klaßzimmer.
„Fünf Minuten Schulweg", meinte meine Mutter, - aber was wissen Eltern schon, was auf einem Schulweg alles geschieht. Erst einmal all die Weggefährten und -gefährtinnen. Es waren viele, in der heutigen - fast kinderleeren - Fußgängerzone, denn die Familien der Geschäftsinhaber der Ludwigstraße wohnten fast ausnahmslos in ihren Geschäftshäusern. So kamen, aus dem Heuwinkel die Berta Kuonz und ihre Schwester (Mehlhandlung), ein kleineres Mädchen aus einem Milchladen; vom Kreilingerhaus (Eisen- und Haushaltswaren) der Konrad und sein kleiner Bruder „Bubi"; aus dem Haus Simson/Reichel (Stoffgeschäft und Arztpraxis) Hans und Wolfgang Reichel, Norbert Schneider und sein Bruder Otti, Ilse und Paula Schneider - alle gingen innerhalb dieser vier Jahre denselben Weg. Aus dem Haus Kühbacher kam - oft eingehakt bei Mutter oder Tante - für uns mal was anderes - die Mali Vogl, vom Haus Nummer 8. Dazu gesellten sich vier Geschwister Kessler (Baurat), dann meine Freundin Lina Dellekönig (aus dem großen Geschirr- und Haushaltswarengeschäft), die kleine Inge Eder („Wiener Moden"), Eva Schraube und ihr Bruder, und Ruth Seitz aus dem Egger-Apothekenhaus, Marianne Uhrmann (Lederwaren) von gegenüber. Aus der Brunngasse, Theresienstraße, Hl.-Geist-Gasse, Grabengasse und Oberer Anger kamen bestimmt noch ein Dutzend Kinder dazu...
Zwischen Buben und Mädel herrschte auf dem Schulweg eisernes Schweigen, das höchste war ein morgenmuffliges „Grüaß Di": Niemand wollte als „Weiberschmecka" oder als „Buamamadl" gelten! Je nach freundschaftlicher Zuneigung oder momentaner Sympathie, gingen wir Mädchen selbstverständlich miteinander weiter ratschend und meist fröhlich.

 

Kurzbeschreibung:
Autoren: Ina Artner, Carola Fischer, Hedi Frimberger, Elisabeth Fuchs, Mariele Glatzl, Christl Gruner, Friedl Hartl, Irmgard Heizer, Irmgard Haim, Traudl Holzinger, Eva von Kutzschenbach, Anni Lang, Elisabeth Port, Paula Schnepff, Paula Schultze, Eva Schweitzer, Gilda Spöckner, Marianne Sporer, Lieselotte Rubel, Gisela Saxinger, Anneliese Schön, Erika Wagner und Ilse Weileder

 

Die Veröffentlichungen sind auch im Stadtarchiv Passau, Rathausplatz 2, 94036 Passau 
Tel. 0851/3 83 36 12 oder Fax 396-248,
 oder im Buchhandel erhältlich.