Frei für Demo





Die Zengergasse


Unter dem südlichen Domturm führt die Zengergasse an der alten Bischofsresidenz (jetzt Landgericht) entlang zum Residenzplatz. Viele Touristen gehen hier täglich durch, ohne zu wissen, daß der Name Zenger an ein altes Adelsgeschlecht des Nordgaues erinnert. Einst war dieses Geschlecht reich und mächtig und beherrschte die halbe Oberpfalz.

Eine auf dem Abfall zum Innufer hin kräftig abgestützte Gebäudegruppe beginnt mit dem Zengerhof. Der Kanonikatshof (Domherrenhof) der Grafen Zenger wurde um 1580 vom Fürstbischof zur Erweiterung seiner Residenz erworben, 1610 in die Residenz einbezogen und nach dem Stadtbrand 1680 von Bischof Sebastian von Pötting wieder aufgebaut und barock ausgeschmückt.

Ein Professor des ausgehenden 16. Jahrhunderts mit Namen Hundt gibt das Jahr 948 an, in dem das Geschlecht der Zenger erstmals genannt wurde, und 1099 als das Jahr, in dem der Name Zenger von Zangenstein erwähnt wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges verarmte das Geschlecht, legten einige Teile der Familie das Adelsprädikat ab.

Die Gasse, durch die die Altstadtler zum Wochenmarkt gehen, ist einer der geschichtsträchtigsten Winkel Passaus und wird benannt nach den Zengern, die von 1322 bis 1543 in der Dreiflüssestadt ansässig waren. Unter ihnen befanden sich zumeist Kleriker, so fünf Domherren, eine Äbtissin und zwei Chorfrauen des Klosters Niedernburg sowie ein Hofmarschall. Der erste Zenger in Passau hieß Berthold und war Kaplan und Beichtiger von Ludwig dem Bayern. Ein besonders interessanter Mann war John-Peter Zenger (1697-1746), der, von den adeligen Zengern abstammend, mit seinen Eltern nach Amerika auswanderte. In der Neuen Welt hat er sich um die amerikanische Pressefreiheit besonders verdient gemacht. In der Bundeshalle in New York wurde 1953 die Zenger-Gedächtnishalle eingeweiht. Die Universität von Arizona verleiht jährlich den Zenger-Preis an Herausgeber oder Journalisten, die Ausgezeichnetes leisten im Sinne der Pressefreiheit und des Rechtes des Volkes auf Information.

Ein Nachkomme dieses alten Geschlechts, Graf Zenger von Zangenstein, dem wir diese Informationen verdanken, lebt heute in Kirchberg, Gemeinde Hutthurm, bei Passau.