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Feilschen unterm Regenprüfer


Jeden Freitag zwischen 7 und 11.30 Uhr breitet sich auf dem Domplatz ein riesiges Heerlager aus. Zu beiden Seiten der Lagerstraße haben sich Dutzende von Fieranten niedergelassen, Tische und Stände aufgeschlagen. Der Troß besteht aber nicht wie in früheren Jahrhunderten aus Planwagen mit Rössern, sondern aus modernen Benzinkutschen.

Es ist schon ein farbenprächtiges Warenangebot, um das sich das gemeine Landvolk, sprich die Kunden, drängt, das auch immer wieder die Besucher der Dreiflüssestadt zum Wochenmarkt anlockt. Mit Gemüse, Obst und Geflügel aus bäuerlicher Produktion sorgen die Händler für das leibliche Wohl von Stadt und Land. Die Waren kommen aus den Feldgärten und Glashäusern des Umlandes bis donauaufwärts nach Straubing, bis in den Bayerischen Wald und ins Rottal. Selbst exotische Früchte aus Übersee fehlen selten.

Alles Handeln und Feilschen spielt sich vor der einzigartigen Kulisse des Stephansdoms ab. Und über allem wacht das mächtige Denkmal des Königs Maximilian Joseph I., den die Passauer ob seines ausgestreckten Armes scherzhaft als den Regenprüfer bezeichnen.

Mit ihm hatte in Bayern eine neue Epoche begonnen. Er führte bis zu seinem Tod 1825 einschneidende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen durch. Mit seinem Minister Maximilian von Montgelas übertrug er die Prinzipien der Französischen Revolution auf sein Volk. So brachte er mit viel Geschick sein Land durch die Wirren der napoleonischen Kriege.

Leutseli und kommod, ohne Pathos und ohne Allüren soll Maximilian Joseph I. gewesen sein. Gern mischte er sich unter seine Untertanen. Karl von Nostiz schrieb über ihn: Er sieht aus wie ein grober verdrießlicher bayerischer Fuhrmann, hat aber einen Anstrich von Biederkeit und Gerechtigkeit.

Währen um halb zwölf die Händler schon beginnen, ihr Heerlager wieder abzubrechen, zieht es bereits viele Gäste vor das Portal des Doms. Sie wollen sich den musikalischen Hochgenuß des Orgelkonzertes nicht entgehen lassen.