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Aus wehrhafter Vergangenheit


Als Zeugmeister Stephan Endl 1488 die Geschütze der Stadt Passau auf einer Inventarliste zusammenfaßte, hatten die Bürger der Dreiflüssestadt noch kein eigenes Zeughaus. Teils standen die Kanonen einsatzbereit auf den Türmen, Stadtmauern und Bollwerken, teils lagerten sie im Rathaus in einem Gewölbe unter der Ratsstube. 500 Jahre später zeugen nur mehr wenige Exemplare von der wehrhaften Vergangenheit der Stadt in der Waffensammlung des Oberhausmuseums.

Die Passauer waren damals so stolz auf ihre Riesenbüchsen, daß sie ihnen Namen gaben. Herzogin und Landgräfin hießen die einen, Wölfel, Wüllpin und Gewinnerin wurden andere genannt. Die Capitlerin hatte die Passauer Bürgerwehr sogar den feindlichen bayerischen Truppen 1482 abgenommen.

Die Steinbüchse im Oberhausmuseum dürfte eine der beiden 1488 aufgezeichneten eisernen Mörser sein. Schon damals war der Mörser rund hundert Jahre alt. Heute zählt er zu den fünf ältesten Kanonen der Welt. Eine echte Rarität!

Einzigartig in der Welt dürfte auch die Hakenbüchsen-Sammlung sein. Von den 344 Exemplaren auf der Inventarliste sind nach fünf Jahrhunderten noch 39 im Raum 42 des Museums ausgestellt. Bei dreien ist sogar der hölzerne Schaft erhalten.

Von sogenannten Handrohren unterscheiden sie sich durch einen kräftigen Haken an der Unterseite des Laufes. Auf Mauern oder Balken aufgelegt, fing der Haken beim Abfeuern der Waffe den Rückstoß auf.

Eine weitere Rarität schlummert derzeit noch im Depot. Wohl keine 20 Parallelstücke des Hinterlader-Selbstspanner-Ratschloßkarabiners sind in den bekanntesten Sammlungen von Wien bis New York zu finden. Der Karabiner repräsentierte zu seiner Zeit absolutes High-Tech.

Wie die Viertel- und Klotzpüchsen, Hauffnitz- und Stanngpüchsen von 1488 fehlen auf Oberhaus auch mit verschiedenen Methoden und kostbaren Werkstoffen verzierte Waffen. Passaus Bürger hatten eben mehr Sinn fürs Praktische. Allein das von Nikolaus Drack 1726 aus Bronze gegossene Falkonett ist ein künstlerisch wertvolles Objekt.

Doch Passau gehört dafür zu den wenigen Orten Deutschlands in denen alte Waffen aus der Zeit vor der Errichtung stehender Heere sogar in stattlichen Gruppen erhalten blieben. Zudem sind diese Waffen fast ausnahmslos in der Dreiflüssestadt selbst, in den Gießhütten und Hammerwerken, den Schleif- und Poliermühlen, den Werkstätten des alten Passau, entstanden.

Neben vier Halbharnischen, die in ihren Einzelteilen aus dem 16. Jahrhundert nicht immer einander zugehörig und nicht vollständig sind, gibt es im Oberhausmuseum leider fast keine Zeugen der berühmten Passauer Klingenindustrie mehr. Doch seit einigen Jahren sind dort wieder drei Passauer Wolfsklingen ausgestellt.

Die Geschichte dieser drei Gerichtsschwerter läßt sich bis ins Jahr 1488 zurückverfolgen. Der Passauer Stadtchronist des 19. Jahrhunderts, Alexander Erhard, fand die wertvollen Klingen knapp 400 Jahre später in einer Stube des Rathauses, genau dort wo sie der städtische Zeugmeister Stephan Endl in seiner Bestandsaufnahme mit den Worten Item mer in derselben Camer 11j (drei) gerichtsschwert hangen an dem kastel hinder der tür beschrieben hatte.

Sie haben nichts mit dem Instrument des Scharfrichters, dem Richtschwert oder Henkerschwert gemein, sondern symbolisieren die selbstständige Justizhoheit, den sogenannten Blutbann, die Gewalt des obersten Gerichts über Hals und Hand. Über die tatsächliche Verwendung der Gerichtsschwerter ist im einzelnen aber nichts überliefert.

Fasziniert wird der Besucher auch von den mächtigen Passauer Flambergen sein, deren übergroße geflammte Klingen in den Vitrinen funkeln. In allen bedeutenden Waffensammlungen sind heute die berühmten Klingen mit dem Passauer Wolf zu finden, nur nicht am Ort ihrer Fertigung. Gingen doch die wertvollen Erzeugnisse der Klingenkunst in alle Welt.

Der echte Passauer Wolf wurde weder gestempelt, graviert noch geätzt, sondern stets tauschiert, d.h. in die Klinge mit einer Reihe kurzer Meißelhiebe eingeschlagen. Da die Wolfsmarke als absolutes Gütezeichen galt, ist sie bis ins 17. und 18. Jahrhundert immer nachgeahmt und in der aufkommenden Konkurrenzstadt zum Solinger Wolf geworden.