|
|
|
|
|
|
Von Passaus Dom fiel ich
herunter, wobei mein schöner Leib zerbrach. Bin trotzdem
kreuzwohlauf und munter, und nur im Kopf noch etwas
schwach. Diesen Vers legte der erste Vorsitzende des
Waldvereins, Oberamtsrat Anton Niederleuthner, dem
grinsenden Steinkopf mit den dicken Lippen und den großen
Augen in den Mund. Weit über die Grenzen der Region
hinaus ist der Passauer Tölpel als Wahrzeichen der Dreiflüssestadt bekannt. Von den Einheimischen geliebt, wird er von Zuagroasten und Gästen oft (spöttisch) belächelt.
|
|
Von Ansichtskarten und
Drucken, als Wachsabguß im Kleinformat und von vielen
anderen Mitbringseln aus der Stadt an Donau, Inn und Ilz
grinst der Kopf die Betrachter an. Ihm in natura von
Angesicht zu Angesicht gegenüber zu treten ist dagegen
mit einigen Mühen verbunden. Seit 1884 thront er hoch über
der Stadt auf der Batterie Katz der Veste Oberhaus.
Da muß man sich schon gut die Hälfte der 146 Stufen im
Aussichtsturm, dem ehemaligen Artillerie-Leitstand der
Burg, hinaufquälen.
|
|
Die Herkunft des Tölpels liegt nach wie vor im dunkeln. Der Rest einer Darstellung des Dompatrons in fünffacher Lebensgröße aus dem Jahre 1370 soll er sein, behaupten die einen. Dem widersprechen andere: Der Tölpel zeigt nicht das gotische Lächeln eines Heiligen. Eher gleicht sein Gesichtsausdruck dem einer Fratze. Sie halten ihn für einen gewöhnlichen Kragstein vom westlichen Domgiebel aus dem frühen 15. Jahrhundert.
|
|
Fest steht nur, daß vom Tölpel vor den großen Stadtbränden 1662 und 1680 nichts zu hören war. Erstmals wird er 1696 vom Augsburger Pater Gansler erwähnt: Die Dölpel von Passau, welche zwar hoch daran seyn, doch an den Thürn (Türmen) kein Spitz abgeben.
|
|
Pater Gansler spielt dabei auf den Umstand an, daß beim Wiederaufbau der Stadt die Domtürme stumpf mit Pultdächern abgeschlossen wurden, da die gotische Vierungskuppel allein das Stadtbild beherrschen sollte. Er legte dies den Passauern als Dummheit und Unvermögen aus.
|
|
Von da an hatten die Bürger
der Dreiflüssestadt ihren Spottnamen weg. Doch bald begannen sie sich dagegen zu wehren und gaben ihn mit guten Humor den Spöttern zurück.
|
|
Nach seinem Sturz von
Passaus Stephansdom legte der Steinkopf gleich mehrere Stationen zurück. Zunächst war er in einer Nische der Umfassungsmauer eines Domherrenhofes am Steinweg (heute Landratsamt) aufgestellt. Da rührte der geschäftstüchtige Wirt vom Gasthaus gegenüber (heute Zu den drei Linden) mit ihm kräftig die Werbetrommel.
|
|
Danach kam er in den Besitz eines Wirtes in der Höllgasse und landete schließlich in einem Garten in der Steiningergasse. Erst vor gut 100 Jahren brachten ihn die Mitglieder des Waldvereines auf Anregung ihres Vorsitzenden Anton Niederleuthner in das damalige Waldvereinsmuseum in der ehemaligen Trutzburg der Fürstbischöfe an seinen heutigen Platz auf Oberhaus.as Erbe des Wohltäters wurde vielen sozialen Einrichtungen zuteil. Daß Grainet bei Freyung 1750 zur eigenständigen Pfarrei erhoben wurde, ist seiner großzügigen Spende zu verdanken. Das Grabmal mit der Geschichte der Familie Kern und zehn Reliefbildern ist noch heute in der Pfarrkirche St.
Paul am Rindermarkt zu sehen.
|
|
Doch seine Rückkehr an den
ersten Standplatz scheint jetzt gesichert. Der
Kreisausschuß des Landkreises Passau hat auf Antrag der
Stadt zugestimmt, den Tölpel wieder an der Mauer des
Landratamtes anzubringen. Die Heimkehr ins Stadtzentrum
ist nur noch eine Frage der Zeit.
|
|
Schon seit einigen Jahren
hat H.P. Heller diesen Umzug vorgeschlagen. Der Chef der
Lokalredaktion der Passauer Neuen Presse zeichnet
auch verantwortlich für die Ratsch-Spalte unter der Überschrift
Aufgespießt und festgenagelt, deren Symbol der Passauer Tölpel
ist. Da unterhält sich dieser brieflich mit seiner Base
Kathi Hasenbradl über Probleme und Problemchen, nimmt
Alltägliches und Besonderes aufs Korn.
|
|
Erfunden wurde diese Rubrik
in den ersten Nachkriegsjahren vom damaligen
Lokalredakteur Alfred Heueck. Viele Passauer schlagen in
der PNP-Samstagsausgabe als erstes ihren Tölpel auf.
|