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Ist der Stephansdom die
Mutterkirche des Donauostens, bezeichnen die Passauer die
Pfarrkirche St. Paul oft als Mutterkirche der
Stadt. Fest ruht der barocke Sakralbau auf dem
kristallinen Felsen am Nordrand der alten Römermauer,
beherrscht den Neumarkt am Eingang zur Altstadt. So
mancher Besucher hat die Stadtpfarrkirche schom mit dem
Dom verwechselt.
Bis ins Jahr 1050 reicht
die erste Erwähnung der ursprünglich romanischen Kirche
zurück. Der gotische Bau blieb 1662 beim großen
Stadtbrand nicht von der verheerenden Feuersbrunst
verschont. Die Sakristei so wie der Pfarrhof versanken in
Schutt und Asche. Die Terrassenmauer am östlichen
Kirchenaufgang zeigt noch den ehemaligen Grundriß an.
Doch schon 16 Jahre nach
der Brandkatastrophe war der barocke Neubau in seiner
heutigen Gestalt vollendet. Die Pläne und die Ausführung
stammen wohl von den um den Dombau verdienten Künstlerfamilien
Lurago, Carlone und Dietzenhofer.
Der einschiffige Saalraum
der Wandpfeilerkirche ist klar gegliedert und von einer mächtigen,
stuckierten Stichkappentonne überwölbt. Hier
findet der Besucher Geborgenheit, Ruhe und Harmonie. Die
Akustik ist kaum zu übertreffen.
Den Besucher der
Stadtpfarrkirche beeindruckt sofort der Hochaltar
aus schwarzgebeiztem und poliertem Holz mit den mächtigen
korinthischen Säulen. Das riesige Altarblatt stellt in düsteren
Farben die Enthauptung des heiligen Paulus dar. Zwischen
1698 und 1701 schuf der Maler Franz Werner Tamm das Gemälde.
Wurde das Gotteshaus
1809/10 von den napoleonischen Besatzungstruppen als
Zwiebackmagazin zweckentfremdet, erhielt der Kirchenturm
nach der gründlichen Renovierung der Kirche 1851/52 einen
überhöhten Spitzhelm. 100 Jahre später wurde er zum
Zankapfel zwischen der Pfarrgemeinde und dem Diözesanbauamt.
Große Aufregung herrschte
im Frühjahr 1950, als eine Passauer Firma mit dem Abriß
der 25 Meter hohen Turmspitze begann und anschließend das
nur mehr elf Meter hohe Zeltdach aufsetzte. Das hölzerne
Gebälk sei morsch gewesen, begründete das Diözesanbauamt
die Sanierungsmaßnahme. Außerdem hätte ästhetische Gründe
eine Rolle gespielt, da die hohe Turmspitze von St. Paul
den Blick auf den Stephansdom stören würde.
Für die Pfarrkinder von
St. Paul lag der wahre Grund für die Turmkappung ganz
woanders. Bisher war der Turm der Stadtpfarrkirche 70
Meter hoch, also höher als der Dom mit seinen 66 Metern.
Wenn er nun um 14 Meter gekürzt wird, ist der Dom wieder
die Nummer eins, sagten sie. Doch der Sturm ging vorüber,
die Empörung legte sich, und heute wissen nur mehr
wenige, daß St. Paul einmal den Hohen Dom überragte.
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