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    Kleine Passauer Sittengeschichte
    Wenn heute landauf, landab Modelle, Masseusen oder einsame Frauen in Zeitungen annoncieren, weiß jeder, welche Dienste sie anbieten. Doch bereits um die Jahrhundertwende inserierte das Gasthaus zur Landstraße am Anger in den Passauer Tageszeitungen, daß frische Salatköpfe oder frisches Gemüse eingetroffen seien. Damit wurde der reiferen Jeunesse doree kundgetan, daß neue, böhmische Kellnerinnen angefangen hatten.
    Alexander Erhard berichtet in seiner Geschichte der Stadt Passau (1864) auch über die Frauenhäuser, wie früher die Bordelle genannt wurden: Es bestanden, wie in anderen Städten Bayerns, zwei Frauenhäuser, ein altes und ein neues, welche beide schon in Urkunden des 14. Jahrhunderts vorkommen.
    Anfangs standen diese Häuser unter der Aufsicht und Verwaltung des Züchtigers oder Henkers der Stadt, der aus ihren Einkünften seine Subsistenz bezog, bis er später ein festes Gehalt vom Stadtmagistrat erhielt. Nach den im Stadtarchiv vorhandenen Urkunden waren die Frauenhäuser nicht selten der Schauplatz beklagenswerter Excesse.
    Doch nur Fremde, Durchreisende durften sich darin sehen lassen. Den ortsansässigen Passauern war der Besuch dieser Häuser strengstens verboten. Wurde einer bei den Buhlerinnen erwischt, bestand seine Bestrafung im Gefängnis und anschließend Verbannung aus der Stadt.
    Konnten die Fürstbischöfe das Gewerbe in den Frauenhäusern nur eindämmen, zogen sie gleichfalls finanzielle Vorteile daraus. Bischof Leonhard erhob im Jahre 1439 eine Abgabe von dem Besitzer dieser Häuser, schrieb Alexander Erhard vor gut 120 Jahren und fährt fort: Im Jahre 1512 sind beide abgebrannt; das alte wurde nicht mehr erneuert; das neue aber, nach Angabe der alten Stadtchronik, 1514 wieder aufgebaut und seiner vorigen Bestimmung zurückgegeben.
    Es stand damals an der Stelle, wo sich heute die Heiliggeist-Stiftsschenke befindet. Doch seit 1587 als Bischof Urban das Frauenhaus demolieren ließ, gab es in Passau 300 Jahre keines mehr, bis der Passauer Stadtrat Anfang der 80er Jahre eine Genehmigung dafür in sogenannten Sperrbezirken erteilen mußte.
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