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Kaiserin Sissi in Passau


Erst 16 Jahre alt war Elisabeth, genannt Sissi, Tochter des bayerischen Herzogs Max, als sie am 24. April 1854 Kaiser Franz Joseph I. von Österreich in Wien heiratete. Drei Tage vorher hatte das Donaudampfschiff Stadt Regensburg, mit dem sie sich auf Brautfahrt begeben hatte, in der Dreiflüssestadt Station gemacht. 5O Jahre später wurde zur Erinnerung daran eine Gedenktafel am Rathausturm errichtet.

Passau war die letzte Stadt auf bayerischem Boden, die Sissi auf ihrem Weg zum kaiserlichen Bräutigam mit Hoch-Rufen der Bevölkerung und Böllerschüssen von der Veste Oberhaus huldigte. Bürgermeister Dominikus Praßlberger brachte damals in einer Ansprache die Segenswünsche der Stadt für die Kaiserbraut zum Ausdruck.

Doch die Stippvisite sollte nicht der erste und letzte Aufenthalt der österreichischen Kaiserin in der Dreiflüssestadt bleiben. Gut acht Jahre später, vom 8. bis 14. September 1862, kam sie mit einem Sonderzug zu einem Familientreffen erneut nach Passau.

Mit bayerischen, österreichischen und deutschen Fahnen hatten die Passauer ihre Stadt zum Empfang der Majestät geschmückt. Eine Stunde nach Sissi traf ihre Mutter, Herzogin Ludovika von Bayern, mit den zwei jüngsten Geschwistern am Hauptbahnhof ein. Tags darauf Sissis Schwester Marie, Königin von Neapel.

Wegen ihres strengen Inkognito hatten sich die Hoheiten im voraus alle Feierlichkeiten verbeten. Der Aufenthalt sollte ganz der Familie gewidmet sein.

Trotzdem kamen sie nicht umhin, die Aufwartung der Passauer Bürger entgegenzunehmen. An einem Abend zogen die Passauer in einem Fackelzug zur Unterkunft der Kaiserin, dem Hotel Wilder Mann neben dem Rathaus. Dort spielte die Militärmusik zu einer Serenade auf.

Am 12. September 1862 durfte dann die Liedertafel den Majestäten ein Ständchen mit vier Liedern singen. Die Mitglieder der Feuerwehr und des Turnvereins hatten die Führung des Aufmarsches mit farbigen Lampen übernommen.

Die mitwirkenden Vereine schätzen sich glücklich, durch den Act ehrfurchtsvoller Huldigung die Gesinnung der ganzen hiesigen Stadt repräsentiert zu haben, berichtete damals die Passauer Zeitung. Und die Liebenswürdigkeit für die Stadt Passau steigerte Kaiserin Sissi noch dadurch, daß sie vor ihrer Abreise die beträchtliche Summe von 200 Gulden für die Unterstützung armer Bürger den Stadtvätern aushändigen ließ.