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    St. Severin, der Apostel Noricums
    Woher er kam weiß niemand. Er selbst lehnte es ab, über seine Herkunft zu sprechen. Apostel von Noricum, des Gebietes zwischen Inn und Wienerwald, Donau und Drau, wird der heilige Severin genannt. Eugippius, einer seiner Schüler, schrieb 511 in Neapel die Lebensbeschreibung des Schutzpatrons von Bayern und Österreich, der 482 im niederösterreichischen Mautern starb.
    Um 460 kam St. Severin ins Land der Donau-Römer, um die Verbreitung sittlich-religiöser Ideen zu fördern. Zunächst fand er nur Gelächter über sein Wirken bei der Bevölkerung. Doch schon bald gingen seine Prophezeiungen in Erfüllung und die Noricer erkannten ihn durch seine Autorität als ihren Führer gegen die anstürmenden Germanen an.
    Der Heilige selbst lehnte zwar die Bekleidung jeglicher kirchlicher Würden ab, doch war der Mönch kraft seiner überragenden Persönlichkeit das eigentliche Oberhaupt der Kirche im damaligen Donauraum. Auf Bitten der Bürger kam er auch nach Batavis (Passau), wo er außerhalb der Stadtmauern in einem Orte namens Boiotro jenseits des Inn eine kleine Zelle für ein paar Mönche gründete.
    Für die Passauer war die Kirche zum hl. Severin von Noricum schon immer der Ort, an dem der Heilige sein kleines Kloster errichtet hatte. Die Volksüberlieferung wurde zuletzt 1976 im Rahmen einer Gesamtrenovierung des Innenraumes von St. Severin bestätigt. Ausgrabungen brachten die Reste von Fundamenten und Mauerwerk zutage, die eindeutig frühchristlichen Urspungs sind. Schon bei Ausgrabungen 1928 wurde ein ausgehöhlter Stein gefunden, bei dem es sich um ein Reliquiengrab unter dem Altar der frühchristlichen Kirche gehandelt haben mußte. Die 1976 aufgefundenen Reliquien selbst stammen mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem 6. Jahrhundert.
    Die Kirche St. Severin ist eine einschiffige Anlage mit einem nicht genau rechteckigen Langhaus und einem schmäleren Chor mit Schluß in fünf Seiten des Achteckes. Bei der umfassenden Renovierung von 1976 bis 1982 wurde der Innenraum erheblich verändert. Der spätgotische Hochaltar wurde abgerissen. Heute beherrscht das fast sieben Meter hohe Kreuz aus Muschelkalk den Kirchenraum.
    Der neue und von Flammen stilisierenden Bronzeplatten umgebene Volksaltar wurde wie das Kreuz vom Bildhauer Leopold Hafner gemauert. Das aus dem Jahre 1600 stammende Sakramentshäuschen wird wieder als Tabernakel verwendet. Eine Rarität und ein Beweis für die Kontinuität des Friedhofes ist der römische Grabstein, der als Weihwasserbecken dient.
    Die Holzfiguren von St. Ulrich und St. Erasmus im Presbyterium sind charakteristische spätgotische Arbeiten der Passauer Bildhauerkunst. Ein kostbares Werk, das Holzrelief Mariä Tod, wird in der Severinszelle verwahrt.
    Die Vita Sancti Severini ist eine der bedeutendsten Frühquellen für die Geschichte der Region. Sie schildert die Zustände Noricums und des benachbarten rätischen Grenzgebietes zur sturmbewegten Zeit der Völkerwanderung. Letztendlich war es der heilige Severin, der die politische Entscheidung über die Evakuierung von Batavis fällte.
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