|
Passau zählt zu den sieben
schönsten Städten der Welt, soll Alexander von Humboldt
gesagt haben. Zwar wird weiterhin nach einem Beleg für
dieses Zitat des Naturforschers und Weltreisenden gesucht,
doch wer die Dreiflüssestadt bei strahlendem Sonnenschein
von ihrer Schokoladenseite gesehen hat, wird diese
Behauptung nicht für abwegig halten.
Gerade der Anblick von der
Wasserseite läßt Passau als die schwimmmende Stadt
erscheinen. Wie ein Ozeanriese scheint die Altstadt mit
ihren das Bild beherrschenden Türmen die Wellen von Donau
und Inn zu zerteilen.
Wer sich diese imposante
Sicht auf die Dreiflüssestadt nicht entgehen lassen will,
sollte auf eine Dreiflüsserundfahrt nicht verzichten. Stündlich
legen die Schiffe der Reederei Wurm & Köck zur
Stadtrundfahrt per Schiff von der Donaulände ab.
Vor über 150 Jahren, am
18. März 1838, nahm die Bayerisch-Württembergisch königlich-privilegierte
Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft den
Passagier-Linienverkehr auf der Strecke zwischen Passau
und Linz mit dem Dampfschiff Ludwig I. auf. Zwar ohne
Dampf, dafür mit modernen Ausflugsschiffen, können die Gäste
der Dreiflüssestadt sich von der Donaulände aus auf Große
Fahrt ins reizvolle Donautal begeben.
Vorbei an Burg
Krempelstein, Schloß Obernzell und Burg Vichtenstein
geht's donauabwärts zur Schleuse Jochenstein. Bis
Engelhartszell, zur Schlögener Schlinge oder gar bis Linz
fahren die Schiffe. Keinesfalls sollte man dazu den
Ausweis vergessen, da die Staatsgrenze zu Österreich überfahren
wird. Die Gäste können sich von der Bordküche verwöhnen
lassen und zollfreie Waren einkaufen. An jedem Samstag heißt
es dann sogar Tanz an Bord.
Woher er kam weiß niemand.
Er selbst lehnte es ab, über seine Herkunft zu sprechen. Apostel
von Noricum, des Gebietes zwischen Inn und Wienerwald,
Donau und Drau, wird der heilige Severin genannt.
Eugippius, einer seiner Schüler, schrieb 511 in Neapel
die Lebensbeschreibung des Schutzpatrons von Bayern und
Österreich, der 482 im niederösterreichischen Mautern
starb.
Um 460 kam St. Severin
ins Land der Donau-Römer, um die Verbreitung
sittlich-religiöser Ideen zu fördern. Zunächst fand er
nur Gelächter über sein Wirken bei der Bevölkerung.
Doch schon bald gingen seine Prophezeiungen in Erfüllung
und die Noricer erkannten ihn durch seine Autorität als
ihren Führer gegen die anstürmenden Germanen an.
Der Heilige selbst lehnte
zwar die Bekleidung jeglicher kirchlicher Würden ab, doch
war der Mönch kraft seiner überragenden Persönlichkeit
das eigentliche Oberhaupt der Kirche im damaligen
Donauraum. Auf Bitten der Bürger kam er auch nach Batavis
(Passau), wo er außerhalb der Stadtmauern in einem Orte
namens Boiotro jenseits des Inn eine kleine Zelle für ein
paar Mönche gründete.
Für die Passauer war die Kirche
zum hl. Severin von Noricum schon immer der Ort, an
dem der Heilige sein kleines Kloster errichtet hatte. Die
Volksüberlieferung wurde zuletzt 1976 im Rahmen einer
Gesamtrenovierung des Innenraumes von St. Severin
bestätigt. Ausgrabungen brachten die Reste von
Fundamenten und Mauerwerk zutage, die eindeutig
frühchristlichen Urspungs sind.
Schon bei Ausgrabungen 1928 wurde ein ausgehöhlter Stein
gefunden, bei dem es sich um ein Reliquiengrab unter dem
Altar der frühchristlichen Kirche gehandelt haben mußte.
Die 1976 aufgefundenen Reliquien selbst stammen mit
großer Wahrscheinlichkeit aus dem 6. Jahrhundert.
Die Kirche St. Severin ist
eine einschiffige Anlage mit einem nicht genau
rechteckigen Langhaus und einem schmäleren Chor mit
Schluß in fünf Seiten des Achteckes. Bei der umfassenden
Renovierung von 1976 bis 1982 wurde der Innenraum
erheblich verändert. Der spätgotische Hochaltar wurde
abgerissen. Heute beherrscht das fast sieben Meter hohe
Kreuz aus Muschelkalk den Kirchenraum.
Der neue und von Flammen
stilisierenden Bronzeplatten umgebene Volksaltar
wurde wie das Kreuz vom Bildhauer Leopold Hafner gemauert.
Das aus dem Jahre 1600 stammende Sakramentshäuschen wird
wieder als Tabernakel verwendet. Eine Rarität und ein
Beweis für die Kontinuität des Friedhofes ist der
römische Grabstein, der als Weihwasserbecken dient.
Die Holzfiguren von St.
Ulrich und St. Erasmus im Presbyterium sind
charakteristische spätgotische Arbeiten der Passauer
Bildhauerkunst. Ein kostbares Werk, das Holzrelief Mariä
Tod, wird in der Severinszelle verwahrt.
Die Vita Sancti Severini
ist eine der bedeutendsten Frühquellen für die
Geschichte der Region. Sie schildert die Zustände
Noricums und des benachbarten rätischen Grenzgebietes zur
sturmbewegten Zeit der Völkerwanderung. Letztendlich war
es der heilige Severin, der die politische Entscheidung
über die Evakuierung von Batavis fällte.
|