|
Überall, wo man in Passau
hinsieht, sind aller guten Dinge drei. Drei Flüsse,
Donau, Inn und Ilz, treffen hier aufeinander. Drei eigenständige
Stadtteile, die Innstadt, die Altstadt und die Ilzstadt,
bilden eine Stadt. Schließlich ist nicht abzustreiten, daß
auch heute noch drei Mentalitäten die Dreiflüssestadt prägen:
die Bayerische, die böhmische und die österreichische.
Den Einfluß dieser
Mentalitäten spürt man gerade in der Küche. Die
ortstypische Kost ist bäuerlich kräftig,
Schweinefleisch, Knödel, Kartoffeln und Gemüse bestimmen
den Speiseplan.
Mit einem Michelin-Stern
ist Gebhard Endl für seine Kochkunst ausgezeichnet. In
seinem Restaurant im Hotel Wilder Mann neben dem Rathaus
ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, den Gästen
auch typische Passsauer Schmankerl zu servieren.
Eine Kräuterl-Suppe
als Vorspeise ist ein richtiger Vitaminstoß,empfiehlt
Gebhard Endl. Frisch aus dem Garten sind da Kerbel,
Petersilie, Schnittlauch und Waldbrunnenkresse drin.
Bei drei Flüssen muß die
Hauptspeise natürlich ein Süßwasserfisch sein.
In den meisten Restaurants der Stadt findet man Zander,
Hecht oder Aal, Barbe, Schleie oder Huchen auf der
Speisekarte.
Interessant ist in diesem
Zusammenhang, daß im Stadtbereich an der Donau ein
uraltes Privileg besteht: Im 12-Apostel-Fischwasser
besitzen zwölf Fischer nicht nur das ausschließliche
Fischereirecht, sie dürfen auch obwohl das Fischwasser
dem Heilig-Geist-Stift gehört über die Weitergabe oder
Nachfolge entscheiden.
Eine besondere Spezialität
ist der Donauwaller. Gebhard Endl schmeckt er
selbst im Wurzelsud aus Zwiebeln, Karotten, Sellerie und
Lauch gesotten am besten. Schon einmal fast ausgerottet,
ist heute der Huchen an den Speisetafeln wieder
stark im kommen. Nach der Aufzucht in Fischbrutanstalten
setzten die Passauer Fischer den schmackhaften Raubfisch
wieder in der Donau und deren Nebenflüssen ein.
Die Passauer
Schlosserbuam haben in der Dreiflüssestadt mit dem
traditionsreichen Handwerk nur wenig zu tun. Zufällig trägt
halt eine besondere Süßspeise den selben Namen wie die
Lehrlinge im Schlosserhandwerk hier gerufen werden. Als kräftiges
Dessert können sich Gourmets die süßen Kugeln aus
Kartoffelteig mit Zwetschgenfüllung und Semmmelbrösel-Streusel
schmecken lassen.
Die Tellersulzen,
auch Fleisch- oder Boandlsulzen genannt, werden als
Brotzeit zu einer Maß Bier gegessen. Neben Brezen ist man
dazu gerne Passauer Semmeln, ein typisches Weißbrotgebäck.
Wegen ihrer reschen, aufgerissenen Kruste nennen die
Einheimischen sie auch Aufg'rissene.
Obwohl in Bayern das Bier
die meisten Anhänger besitzt in Passau gibt es allein fünf
Brauereien ist doch der Einfluß Österreichs beim Wein zu
bemerken. Kein Wunder, daß mit Krems eine der Partnerstädte
Passaus in der Wachau liegt. Das Heilig-Geist-Stift
besitzt dort sogar eigene Weinberge, deren Riesling in der
Stiftsschenke als Stiftswein ausgeschenkt wird.
Einem Verdauungs-schnäpschen
nicht abgeneigt, sollte man in Passau mal auf den Korn
oder Obstler verzichten und lieber den Dreiflüssegeist
oder das Dreiflüssegold probieren. Vielfach wird
auch der im Bayerischen Wald gebrannte
angeboten. Ein Kräuterschnaps für wahrhaft
Unerschrockene.
|