|
Und dies, meine Damen und
Herren, war einmal ein städtisches Gefängnis vom 12. bis
14. Jahrhundert. Im Innenhof befand sich eine
Hinrichtungsstätte mit einer Blutrinne zur Milchgasse.
Hier war auch die 'Dienstwohnung' der amtierenden
Scharfrichter... Ob Wahrheit oder Unsinn jeder
einheimische Führer durch Passaus Altstadt hat seine
eigene Version über das Scharfrichterhaus.
Sicherlich auch auswärtigen
Besuchern nicht völlig unbekannt, ist das
Scharfrichterhaus eine inzwischen zur Institution
gewordene Heimstätte der Kleinkunst. Alljährlich,
zwischen Oktober und Dezember, trifft sich dort zu den Kabarett-
und Theatertagen die Elite der Satire aus
Niederbayern, Deutschland und Österreich. Ein
Kulturprogramm, das jedoch auch Jazzkonzerte und
Autoren-Lesungen mit einschließt. Daneben ist das
Scharfrichterhaus auch ein vielbesuchtes Keller-Lokal.
Ein Altstadthaus, dessen Räumlichkeiten
lange Zeit als Kohlenkeller und Lagerplatz für die
Donaufischer dienten, stand das alte Gebäude bis 1977
verlassen da, bis es Edgar Liegl und Walter Landshuter für
ihre Zwecke entdeckten, es mit finanzieller Unterstützung
der Stadt Passau aufwendig sanieren ließen.
Als es fertiggestellt und
im vorderen Restaurant eine Bühne eingerichtet war, zog
dort ein fulminantes Dreigestirn, ein echtes Passauer
Eigengewächs, ein, das im provinzialen, klerikalen und
parteipolischen Mief großgeworden und in seinem
fruchtbaren 'Humus' immer größer gewachsen (so Pächter
Walter Landshuter) ist: Sigi Zimmerschied, Rudolf Klaffenböck
und Bruno Jonas sind seitdem zu renomierten und begehrten Kabarettisten
aufgestiegen. Andere Talente folgten. Gemeinsam setzte man
die ehrbare Dreiflüssestadt in Aufruhr und Widerstand
gegen diese spöttischen Unruhestifter.
Heute, nach über zehn
Jahren hat sich die ehemalige kämpferische Situation
zwischen Stadt und Lästerern abgeschliffen, hat die
Passauer Kabarettszene aber auch einiges von ihrem Biß
eingebüßt, bleiben die überregionalen Schlagzeilen aus.
Doch das Scharfrichterhaus will weiter unbequem bleiben.
Steter Tropfen höhlt den Stein, lacht Walter Landshuter,
und wir sind noch lange nicht fertig. Es gibt immer wieder
neue Themen.
|