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In der Neuen Residenz


Durch die Zengergasse am Dom und der Alten Residenz der Fürstbischöfe (heute Landgericht) vorbei gelangt man zum Residenzplatz, der auf seiner Südseite von der Neuen Residenz eindrucksvoll begrenzt wird. Doch um in die Neue Residenz zu gelangen, sollten die Besucher einen anderen Weg beschreiten, der sich sicherlich für sie lohnen wird.

Vom südlichen Seitenschiff des Doms gelangen die Gäste über eine vom Domstukkateur Giovanni Baptista Carlone gestaltete Wendeltreppe in den Vorraum des Großen Hofsaals in der Neuen Residenz. Dort bieten Schautafeln, eine Viedeothek mit Tonbildern über Dom und Bistum sowie eine Übersichtskarte über das ehemalige Großbistum erste Einblicke. Im Großen Hofsaal und der darunterliegenden Hofbibliothek sind im Domschatz- und Diözesanmuseum die religiösen Kunstschätze der Diözese aus vergangenen Jahrhunderten zu sehen.

Auf Bischof Heinrich von Hofstätter, einen Verfechter des ächten teutschen Styls, wie man damals die Romanik und Gotik bezeichnete, gehen die Anfänge des Museums zurück. Vor über 100 Jahren sammelte er auf seinen Visitationsreisen durch die Pfarreien die Kunstwerke, ließ sie restaurieren und stellte sie in den Kapellen rings um den Domhof auf.

Insgesamt sind 13 Tafelbilder und Gemälde, 27 Plastiken und Reliefs, 8 verschiedene Paramente und 54 liturgische Geräte, wie Kelche, Monstranzen und Reliquiare, die teilweise noch heute für die Messen im Dom verwendet werden, ausgestellt. Dazu kommen 16 Pultvitrinen in der Hofbibliothek mit Fundstücken von Ausgrabungen im Domhof, Reliquien und Reliquienbehältern sowie Pontifikale, Rituale, Missale, Bischofskreuze und Ringe.

Schon alleine das Deckenfresko in der Hofbibliothek, bei den Renovierungsarbeiten wieder freigelegt, ist eine Sehenswürdigkeit. Sein ikonographisches Programm durchschreitet die Wissenschaften und gipfelt in der Theologie. Damit nimmt es die barocke Vorstellung auf, daß aus der Vereinigung von Religion und Wissenschaft die Tugenden und Künste erwachsen. Das zentrale Deckenfresko zeigt Apoll mit der Lyra, umgeben von den Musen und dem geflügelten Pegasus.

Kunst und Witz verbinden sich harmonisch in der Neuen Residenz. Der stattliche Barockbau hinter dem Dom wurde 1712 von Domenico d'Angeli und dem Wiener Theateringenieur Antonio Beduzzi begonnen und 1730 abgeschlossen. Tiefgreifende Veränderungen ließ Fürstbischof Kardinal Leopold von Firmian um das Jahr 1770 vom Baumeister Melchior Hefele aus Wien vornehmen, der dem Gebäude seine heutige frühklassizistische Gestalt gab.

Neben einem von Hefele entworfenen Rokokogitter, das die Hofstiege abschließt, befindet sich der elegante Portalbalkon des Haupteingangs mit seinen bleigegossenen Figuren und Ornamenten von Josef Bergler, der auch das Kranzgesims mit allegorischen Figuren, Reliefs und Symbolen der guten Herrschaft schmückte.

Im Innern öffnet sich ein vornehmes Schachttreppenhaus, das oft als schönstes Treppenhaus Deutschlands bezeichnet wird. Von Johann Baptist Modler und seinen Söhnen Kaspar und Balthasar wurden die Korbbögen und Gewölbe prächtig stukkiert. Das Deckenfresko Die Götter des Olymp huldigen dem unvergleichlichen Passau schuf 1768 der Passauer Troger-Schüler Johann Georg Unruh. Das schönste sind aber für viele die geschmeidigen, laternentragenden Puttengruppen aus Bleiguß, die Joseph Bergler und Anton Rabböck modelliert und die Arbeiter der Jacomini-Werkstatt gegossen haben.

Zwar ist die Neue Residenz seit der Säkularisation im Besitz des Freistaates Bayern, doch, sind die umfangereichen und äußerst kostspieligen Renovierungsarbeiten auch in den ehemaligen Prunk- und Repräsentationszimmern sowie in den ehemaligen Wohnräumen der Fürstbischöfe abgeschlossen, wird dort der Passauer Bischof wieder einziehen. Doch nur mit seinem Büro und für repräsentative Zwecke. Wohnen wird er weiterhin im Marschall-Haus, neben der Residenz auf dem Residenzplatz.