Frei für Demo





Symbol kommunaler Mitverwaltung


Die Freie Reichsstadt war immer Ziel und Sehnsucht der Passauer Bürgerschaft. Doch schon 999 war der Traum von der bürgerlichen Selbstverwaltung für lange Zeit ausgeträumt. Kaiser Otto III. hatte dem Passauer Bischof Christian Markt- und Münzrecht sowie die hohe und niedere Gerichtsbarkeit innerhalb und außerhalb der Stadt verliehen. Das Rathaus wurde den Fürstbischöfen als Symbol einer relativ bescheidenen kommunalen Mitverwaltung von der Bürgerschaft in viele Jahrhunderte dauernden Kämpfen abgerungen.

Wie in der gesamten Altstadt wurde auch am Rathaus ständig um- und an-, nach den verheerenden Feuersbrünsten im 17. Jahrhundert neu gebaut. Während des ersten offenen Aufruhrs gegen die klerikale Obrigkeit 1298 hatten sich die Bürger ihr Rathaus am Rathausplatz (dem ehemaligen Fischmarkt) eingerichtet, mußten es aber nach dem königlichen Schiedsspruch samt Ratsglocke und Stadtsiegel wieder an den Fürstbischof ausliefern.

Mit dem Bernhardinischen Stadtbrief, einem der ältesten Rechtsdokumente Deutschlands, räumte ihnen der damalige Fürstbischof ein Jahr später zur Sicherung des Friedens weitgehende Rechte ein. Obwohl der Kampf 1367 aufs neue losbrach und mit der völligen Niederlage der Passauer Bürger in der blutigen Schlacht von Erlau endete, hielten die Passauer weiter an ihrem Traum fest. 1405 war dann der Saalbau neben dem gewaltigen Streitturm am Fischmarkt endlich fertig.

In den fast sechs Jahrhunderten seines Bestehens hat das Rathaus getreulich alle Geschicke der Stadt Passau geteilt und ist von den Katastrophen, die immer wieder über die Stadt hereingebrochen sind, nicht verschont geblieben. So zeigt eine Skala am Rathausturm die Höhe der Wasserstände bei den Überschwemmungen der letzten fünf Jahrhunderte.

Der Turm selbst in seiner überschwenglichen neugotischen Form ist kaum 100 Jahre alt. Der alte Streitturm mußte bereits 1811 wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Auch die spätgotische Holzdecke im Großen Rathaussaal und die Bemalung der Fassade von Ruprecht Fueterer und Rueland Frueauf d.Ä. des ursprünglichen Baues fielen den Stadtbränden und der Witterung zum Opfer.

Die neue Bemalung durch den Kemptener Kunstmaler Josef Hengge (1922) zeigt vor dem Hintergrund der gotischen Stadt Passau Kaiser Ludwig den Bayern mit seinen vier Churfürsten. Über dem spätgotischen Portal sieht man das Passauer Stadtwappen mit dem Passauer Wolf, umgeben von spielenden Affen (Symbol der Weisheit) und wehrhaften Drachen.

In den teilweise noch romanischen Gewölben des Erdgeschosses, die ursprünglich dem Salzhandel und der damit verbundenen Maut dienten, ist seit 1885 der Ratskeller eingerichtet, ein Lokal,das sich seither großer Beliebtheit erfreut.