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Rund tausend Jahre nach der
Erfindung des Porzellans in China gelang es 1709 dem
Apotheker Johann Friedrich Böttger das wohlgehütete
Geheimnis zu lüften. Fast 80 Jahre später begann auch in
der Dreiflüssestadt die Herstellung von kunstvollen Waren
aus heimischer Porzellanerde (Kaolin) aufzublühen.
Nur durch Bestechung von
Arbeitern der Manufaktur in Meißen und durch Verrat
konnten andernorts neue Versuchsfabriken wie in Wien
(1718) und Höchst (1746) entstehen. Die große Nachfrage
nach Kaolin war ein Segen für die Passauer Region. Fast
alle deutschen Porzellanmanufakturen deckten sich damals
mit Passauer Porzellanerde ein. So waren 1807
bereits 134 Arbeiter in 31 Gruben rund um Wegscheid und
Obernzell beschäftigt.
Hauptsächlich am
Widerstand der ortsansässigen Hafner, die eine Konkurrenz
für ihr Gewerbe befürchteten, scheiterte 1766 der
Versuch von Nikolaus Paul, in der Dreiflüssestadt eine
Porzellanfabrik zu errichten. Mit Unterstützung seines
Geldgebers, des Seidenhändlers Franz Xaver Friedl,
schaffte dies aber der Porzellanmaler Karl Hagen ungefähr
zehn Jahre später.
Vor dem Kapuzinertor in der
Innstadt baute er seinen Brennofen. Die Anzahl seiner
Mitarbeiter, unter ihnen der Modellmeister Johann Georg
Denkler und der Porzellanmaler Ludwig Hoff, läßt auf
einen leistungsfähigen Manufakturbetrieb schließen.
Unterstützung fand Hagen in Fürstbischof Kardinal von
Auersperg, der seine Porzellansammlung im Cabinet
de Porcelaine chinoise im Freudenhainer Schloßgarten
(Stadtpark) untergebracht hatte.
Nach einem Streit mit
seinem Geldgeber verließ Karl Hagen Passau. Mit dem Tod
von Ludwig Hoff, seinem Nachfolger, endete die erste Ära
der Passauer Porzellan-Geschichte. Erst 1833 machte sich
mit dem Nymphenburger Porzellandreher Johann Georg Kumpf
im Schlößchen Eggendobl erneut ein Porzellanhersteller
in der Dreiflüssestadt selbständig.
Doch bald reichten die Räumlichkeiten
dort nicht mehr aus und die Manufaktur wurde in das
ehemalige Jesuitenschlößl in der Rosenau verlegt.
Nach mehrmaligem Besitzwechsel wurde 1856 Wilhelm Lenck
Chef des Unternehmens. Unter seiner Leitung erlangte die
Porzellanmanufaktur Weltruf.
Als sein Sohn Rudolf 1886
das Werk übernahm, waren schon 300 Arbeiter beschäftigt.
In der Folgezeit entwickelte sich die Manufaktur zum größten
industriellen Unternehmen der Stadt. Porzellan aus der
Lenckschen Fabrik wurde in alle Welt verschickt und mit
zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Fähige und talentierte
Leute formten Luxusporzellane und Figurengruppen,
Blumenhalter und Leuchter, religiöse Artikel und
feuerfestes Kochgeschirr. Der Porzellanbildner Fillipo
Cifariella aus Neapel schuf beschwingte und elegante
Figuren. Seine Mitarbeit ließ sich Rudolf Lenck ein für
damalige Zeiten riesiges Gehalt kosten. Doch der heißblütige
Süditaliener wurde 1907 in Rom des Mordes an seiner französchen
Frau angeklagt.
Kurz zuvor war Rudolf Lenck
44jährig verstorben. Seine Witwe konnte trotz
Kriegswirren den Umsatz noch steigern und verkaufte die
Manufaktur 1919 an die Älteste Volkstedter
Porzellanfabrik AG. Diese richtete sogar eine Abteilung
Passauer Porzellankunst mit den Modelleuren Ernst Derra,
Erich Böhm und Fritz Schlesinger ein.
Doch die schlechte
Wirtschaftslage während der weltweiten Depression
verschonte auch die Passauer Fabrik nicht. Zudem
versiegten wegen Raubbaus die Kaolingruben der Umgebung.
Nach dem Konkurs 1936 kaufte die Stadt die Fabrik auf. In
drei kleinen Räumen und einigen Speichern versuchten zehn
Arbeiter den Betrieb aufrechtzuerhalten. Zur
Bedeutungslosigkeit abgesunken erlosch die Passauer
Porzellanmanufaktur 1952 endgültig. Nur die Glanzstücke
der Passauer Porzellankünstler sind im Oberhausmuseum
geblieben.
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