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Vor Pest, Hungersnot und Krieg
erlöse uns, o Herr! Es ist anzunehmen, daß dieses
Volksgebet auch in Passaus Kirchen in jenen Jahren 1634
und 1650 zum Himmel emporhallte, als der schwarze Tod in
der Dreiflüssestadt wütete. Lebten die Menschen in
Europa trotz strenger christlicher Morallehren bis ins 14.
Jahrhundert hinein eher sinnenfroh-freizügig, wie
zahlreiche Abbildungen vom Treiben in öffentlichen Badehäusern
aus dem frühen Mittelalter zeigen, so bereitete um 1340
das erste Auftreten der wahrscheinlich durch den Hafen von
Venedig eingeschleppten Pest jeglicher Lebensfreude
ein jähes Ende.
Von Italien aus drang die
Beulenpest nach Bayern und Österreich vor, wo jeder
Siebente, nach anderen Berichten sogar ein Drittel der Bevölkerung,
wegstarb. Dann zog die tödliche Krankheit, die den Körper
mit Schwären bedeckte, rheinabwärts nach Straßburg,
Mainz und Köln und raffte später in Süddeutschland fast
die gesamte Einwohnerschaft Nürnbergs, Münchens und
Augsburgs dahin, bis sie im 17. Jahrhundert auch Passau
erreichte.
Doch bevor es in der Dreiflüssestadt
soweit war, schrieb um 1522 ein Passauer Chronist: Ain
gewaltig pestilenzisch Sterben hat schier ganz Deutschland
durchkrochen. Als das pestilenzisch Sterben durch
Passau kroch, herrschte der 30jährige Krieg.
Am 18. Juli 1634 meldete
der Pfleger von Vilshofen, daß in Passau zwei Domherren
und in St. Nikola vier weitere Leute an der Pest gestorben
seien. Prompt wurden am 28. Juli durch Befehl an die Ämter
in Braunau, Schärding und Vilshofen die Grenzen gegen das
Fürstbistum Passau gesperrt. Die angrenzenden Gebiete
Freyung, Perlesreuth, Zwiesel, Grafenau und Hengersberg
waren damals bereits durch Einschleppung aus böhmischen
Städten stark pestverseucht.
Die Kranken blieben in
ihren eigenen Häusern, die mit einem Kreuz als
pestverseucht gekennzeichnet und von außen versperrt
wurden. Lebensmittel und Medikamente wurden durch kleine,
in den Haustüren angebrachte Türchen hineingereicht.
In Passau findet man eine
solche Pesttüre in der Pfaffengasse als
sehenswerte Spur aus jener Zeit. Votivtafeln , wie
im Kloster Niedernburg, zeigen schwarze Karrenwagen, auf
die die Pestleichen aufgeladen werden, durch die
gespenstisch anmutende Dreiflüssestadt fahren. Pest- und
Schutzmantelbilder entstanden als Ausdruck von Volksfrömmigkeit:
Die leidgeplagten Aussätzigen wandten sich auf ihnen an
Maria als der schutzspendenden, fürbittenden
Gottesmutter, in der Hoffnung, von der Seuche befreit zu
werden. Der Hofmaler Wolf Huber jedoch hatte sich 1521/22
auf seinem Holzschnitt den Hl. Christophorus zum Pestpatron
auserkoren.
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