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    Das Niederhaus und Ferdinand Wagner
    Es wird wohl immer ungeklärt bleiben, wann auf dem Felsrücken zwischen Donau und Ilz die erste Befestigung errichtet wurde. Neben der Überwachung des Dreiflußeckes diente sie dem Einzug der verschiedenen Wassermauten. Das Niederhaus nicht Unterhaus, wie viele Touristen meinen in seiner heutigen Gestalt entstand wahrscheinlich im 14. Jahrhundert als vorgelagerte Befestigung für die um 1219 errichtete Veste Oberhaus.
    Nachdem aber die Passauer Bürger 1367 im Kampf gegen den Bischof das Niederhaus in ihre Hand bekommen hatten, stellte man auch eine Verbindung zwischen Oberhaus und Niederhaus durch einen doppelten Wehrgang her und errichtete darüber die beherrschende Batterie Linde. Nach einem Brand hat Fürstbischof Leonhard das Niederhaus wieder so aufgebaut, wie es heute noch zu bewundern ist. Nur ein Turm und ein freistehender 14stöckiger Bergfried wurden 1809 teilweise abgetragen.
    Schon im 17. Jahrhundert wurde das Niederhaus ein Gefängnis, später Arbeitshaus. 1890 ging es in den Besitz eines der bekanntesten Söhne der Dreiflüssestadt, des Historienmalers Ferdinand Wagner, über. Vielbeschäftigt als Monumentalmaler, Fassadenfreskant und Innenraumgestalter war er ein Meister des Pinsels. Seine Werke sind heute nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch in München und Hamburg, sogar in London und Leningrad, New York und St. Louis zu sehen.
    Für die Ausschmückung der Rathaussäle (1885) erhielt der 1847 als Sohn eines Zeichenlehrers in Passau geborene Ferdinand Wagner die Ehrenbürgerwürde verliehen. Doch für damalige Verhältnisse paßte er nicht so recht ins Gesellschaftsbild. Bei vielen Passauern erwarb sich der extravagante Maler keine großen Sympathien. Hinter vorgehaltener Hand erzählten sie sich die tollsten Dinge über seine Künstlerfeste im Niederhaus.
    17 Jahre lang gehörte ihm das ehemalige Donausperrfort an der Ilzmündung. Während seines Streites mit dem Stadtmagistrat über den Bau der Hängebrücke, gegen den er sich ve hement sträubte, schrieb er an die Wand des Rittersaales:
    Ehrenbürger wird ein Mann, den man gar nicht brauchen kann, aber doch gebraucht schon hat, wo eigne Kraft nicht langt zur Tat, bescheiden sei er sonst und faul, vor allem halte er das Maul.
    So verkaufte er 1907 das Niederhaus und zog nach München. Dort starb er im Alter von 81 Jahren, ohne jemals wieder nach Passau gekommen zu sein. Erst seinen Leichnam ließ sein Freund, Kommerzienrat Stockbauer, auf den Innstadtfriedhof überführen.
    Das Niederhaus ist heute immer noch in Privatbesitz und deshalb leider nicht für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben.

     

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