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Nibelungenstadt Pazzouwe


In der stat ze Pazzouwe saz ein bischof, die Herberge wurden laere und ouch des vürsten Hof: si ilten gein den gesten uf in beier lant, da der bischof Pilgerim die schoenen Kriemhilde vant...

Verszeilen aus dem großen deutschen Nationalepos Nibelungenlied, dessen Dichter, wie bei allen großen Heldenepen deutscher Literatur, unbekannt ist. Bei der Frage nach dem Entstehungsort, stießen die Experten immer wieder auf die Dreiflüssestadt.

Der Dichter hat sich jedenfalls zweier Quellen bedient. Das Brünhildlied faßt einen westlich-nordischen Sagenkreis zusammen, berichtet von Siegfrieds Werben, Taten und Sterben. Daneben gab es im südostdeutschen Sprachraum seit ungefähr 1160 das Epos von der Nibelungen-Not, das Kriemhilds Rache und den Untergang der Burgunder am Hofe des Hunnenfürsten Attila (Etzel) schilderte. Der unbekannte Dichter verknüpfte die beiden Geschichten zum Nibelungenlied mit dem uns heute bekannten Ergebnis.

Obwohl bis heute noch nicht alle damit verbundenen Rätsel von den Forschern gelöst sind, liegt die Vermutung sehr nahe, daß Passau bei der Entstehung des Epos eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die Stadt wird selbst an vier Stellen im Nibelungenlied erwähnt. Beim Bericht von Kriemhilds Fahrt ins Ungarnland wird die Stelle beschrieben, an der der Inn mit seiner Strömung in die Donau mündet.

Mit großem Gefolge soll der Passauer Bischof Piligrim (Pilgerim) seine Nichte Kriemhild schon weit vor den Toren der Stadt empfangen haben, so wird jedenfalls an anderer Stelle erzählt. In den jeweiligen zeitlichen Abschnitten stößt der Leser sogar auf genaue Beschreibungen der gesamten Passauer Diözese.

Auch des Dichters Mundart, zugeordnet dem bayerisch-österreichischen Raum, deutet auf die Entstehung des Nibelungenliedes in Passau während der Regierungszeit von Bischof Wolfker (1191-1204), dem Mäzen der Spielleute, hin. Wahrscheinlich ist unter seinen Barden auch der Dichter des Nibelungenliedes zu suchen.