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Passauer Kuriositäten


Bodenständig und weltoffen zugleich, sind die Passauer stolz darauf, was sie und ihre Vorfahren geleistet haben. Tradition und Brauchtumspflege haben hier einen hohen Stellenwert. So ist vieles erhalten geblieben, Sehenswertes, das die großartige Vergangenheit der 2000 Jahre alten Stadt bis zur Gegenwart bestätigt. Doch auch der Humor kommt in der Dreiflüssestadt nicht zu kurz. So findet der aufmerksame Besucher hier einige Kuriositäten.

Sogar als Denkmal kann ein König noch einen Spottnamen erhalten. Der Urgroßvater des Märchenkönigs Ludwig II., König Maximilian Joseph I., wird von den Passauern scherzhaft der Regenprüfer genannt. Sieht sein Standbild auf dem Domplatz doch so aus, als ob er mit ausgestreckter Hand prüfen würde, ob es tatsächlich schon regnet. Beim Regenprüfer ist übrigens auch der Treffpunkt für die Stadtführungen.

Gut dreißig Jahre bevor die Illusionsmalerei im Rokoko üblich wurde, hielt sie schon im Passauer Stephansdom Einzug. Da lassen zwei gemalte Engel ihre farbigen Stuckbeine aus dem Deckenfresko über der Kuppel hängen, liegt ein Umhang im linken Seitenschiff aus dem Bild über einer Balustrade, hält sich der gemalte Soldat mit seinen Gipsfingern an der Stukkatur fest.

Nach dem Stadtbrand von 1662 im Hochbarock wieder aufgebaut, zeugt der Stephansdom auch vom Hang der Kirche zum Theatralischen in dieser sinnenfreudigen Epoche. Durch das sogenannte Heilig-Geist-Loch im Deckenfresko des dritten Jochs wurde früher an Christi Himmelfahrt eine Christusfigur hinaufgezogen. An Pfingsten ließ der Dommesner daraus eine weiße Taube über den versammelten Gläubigen kreisen, damit sie vom Heiligen Geist erleuchtet würden.

Hinter dem Ziergitter des Heilig-Geist-Loches befindet sich heute im Dachboden des Kirchenraumes die Fernorgel. Sie ist eine der fünf Domorgeln, die zusammen mit 231 klingenden Registern und 17 386 Pfeifen die größte Kirchenorgel der Welt ergeben. Doch nicht durch alle sichtbaren Pfeifen im Dom bläst die Luft. Die stummen Pfeifen der Epistel- und der Evangelienorgel sind quasi Attrappen, zu nichts anderem gedacht, als optisch die barocke Symmetrie zu wahren.

Eine seltsame Jahreszahl befindet sich an der Außenwand der Veste Oberhaus. Die zweite der gotischen Ziffern ist eine halbierte Acht. Diese Schreibweise war im Mittelalter besonders im österreichischen Raum üblich. Die Zahl 1499 an sich hat keine besondere historische Bedeutung. Doch liegt die Vermutung nahe, daß in diesem Jahr die Veste umgestaltet wurde.

Die hundertjährige Zugehörigkeit der Stadt zu Bayern war 1903 der Anlaß für die Errichtung des Wittelsbacher Brunnens am Residenzplatz. Der Engel mit dem Tirolerhut symbolisiert dabei den Inn, den reißenden Alpenfluß, der an der Ortspitze in die Donau mündet. Weil die Donau durch die fruchtbarsten Gebiete Bayerns fließt, trägt der Donau-Engel einen Ährenkranz. Die Zöpfe mit Perlen geschmückt hat der Ilz-Engel. Heute noch birgt der aus dem Bayerischen Wald sich schlängelnde Fluß Muscheln mit Süßwasserperlen.

Die Stadt Passau stellt die schöne Wappenhalterin über dem Eingangsportal des Rathauses dar. Die Jungfrau, ein Kunstwerk von europäischem Rang, hält seit 1510 den Passauer Wolf fest in ihren Händen.