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Von jeher waren
Hilfsbereitschaft und Wohltätigkeit lobenswerte
Eigenschaften der Passauer Bürger. Soziale Einrichtungen
vergangener Jahrhunderte, wie das St.-Johannis-Spital, das
Heilig-Geist-Spital und das Bruderhaus zeugen heute noch
davon. Wäre es nach den bürgerlichen Schiffsmeistern
gegangen, hätte Passau aber einen weiteren Wohltäter
verloren, dessen Stiftungen weit über die Dreiflüssestadt
hinaus reichten.
Den meisten Gästen der
Stadt fällt beim Spaziergang entlang der Innpromenade an
der Südfassade des bürgerlichen Waisenhauses das
Stifterbildnis auf. Es zeigt den Schiffsmeister und
Braunbierwirt Lukas Kern und seine Frau Anna
Theresia. Heute trägt das Kinderheim den Namen seines
Stifters.
1681 donauabwärts in
Obernzell geboren, heiratete Lukas Kern mit 30 Jahren die
19jährige Waise des Schiffsmeisters Rupprecht Schwarz,
dessen Provession er übernehmen wollte. Doch die Meister
der Schiffergilde wehrten sich dagegen: In der
Zunftordnung ist nirgends geschrieben, daß die Tochter
eines Schiffsmeisters dessen Gewerbe weiterführen darf.
Lukas Kern besitzt nicht die nötigen Kenntnisse und
Erfahrungen. Seine Wohlhabenheit gereicht der gesamten
Zunft zum Nachteil, argumentierten sie.
Doch das Mautamt und
letztendlich der fürstbischöfliche Hofrat bewilligten
Lukas Kerns Ansuchen. So schufen sich die Eheleute mit dem
Schiffstransport ein großes Vermögen. Auch das Gasthaus
zur Goldenen Sonne im Unteren Sand brachte ihnen Gewinn.
Zudem eröffnete sich Lukas Kern mit der Holztrift auf der
Ilz eine weitere Einnahmequelle. Dieses kluge Unternehmen
verewigte der Passauer Historienmaler Ferdinand Wagner in
einem Fresko im Ratskeller.
Stets auf sein Seelenheil
bedacht, entschied sich der Wohltäter kurz vor seinem
Tod, den Waisenkindern eine Zufluchtsstätte errichten zu
lassen. In seinem Testament verfügte er dazu genaue
Anweisungen: Zu allen Zeiten sollen wenigstens zwölf
Knaben und ebensoviel Mädchen darinnen sein. Zur fleißigen
Arbeit und zu einer gewissen Tages- und Lebensordnung
sollten sie angehalten werde.
Schließlich waren es 72
400 Gulden, die der Lukas-Kern-Waisenhausstiftung nach
seinem Tod im September 1749 zufielen. Bereits zwei Jahre
später war der Rohbau im Ort fertig, 1755 das Waisenhaus
bezugsfertig. Doch erst 1758 konnten die ersten Kinder in
den schönen Bau einziehen.
Eine fundierte Ausbildung zählt
seit der Gründung des Lukas-Kern-Kinderheimes zu den
Erziehungszielen. Dabei kommen auch musische Begabungen
nicht zu kurz. Dies bewies Heimleiterin Schwester Renata,
als sie mit dem Kinderchor des Heimes in Rudi Carrells Am
laufenden Band via Fernsehen sogar vor einem
Millionen-Publikum auftrat.
Das Erbe des Wohltäters
wurde vielen sozialen Einrichtungen zuteil. Daß Grainet
bei Freyung 1750 zur eigenständigen Pfarrei erhoben
wurde, ist seiner großzügigen Spende zu verdanken. Das
Grabmal mit der Geschichte der Familie Kern und zehn
Reliefbildern ist noch heute in der Pfarrkirche St.
Paul am Rindermarkt zu sehen.
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