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Holz war wichtigster Baustoff


Bis ins frühe 18. Jahrhundert reichten die Wälder rings um Passau bis nahe an die Stadt. Das ehemalige Fürstbistum besaß selbst ungefähr 100000 Tagwerk Wald. Und die Passauer wußten diesen Rohstoff gewinnbringend zu verwerten.

Der bequemste Weg zum Abtransport der Baumriesen aus dem Bayerischen Wald war die Trift auf der Ilz. Wie einträglich dieses Geschäft war, bewies der Schiffsmeister Lukas Kern, der Mitte des 18. Jahrhunderts in kurzer Zeit mit seinen Holzgeschäften ein Vermögen von 40000 Gulden erwirtschaftete.

Holzknechte verhinderten unter Lebensgefahr mit langen Stangen, daß sich bei der Trift die Stämme am Ufer anlegten. So gelangten alljährlich auf der Ilz bis zu 30000 Klafter Holz nach Passau.

Auch auf Donau und Inn wurde Holz durch Flöße zu Tal gebracht. Sogar Isarflößer fanden den Weg in die Dreiflüssestadt. Holz aus dem Neuburger Wald ging über Passau sogar bis Wien.

So waren die Passauer Bürgerhäuser vor 1662 in ihren Obergeschossen aus Holz gebaut, von Holzdächern gedeckt und innen mit Holzvertäfelungen ausgekleidet. Dies war sicherlich ein Grund dafür, daß beim großen Brand 1662 die ganze Stadt lichterloh in Flammen aufging.

Nach der Anschwemmung des Sand errichteten die Stadtbürger 1425 am Innufer sogar eine Stadtmauer auf eichenen, in den feuchten Grund getriebenen Pfählen. Die Wehrgänge und Tore der Stadtmauer waren ebenso aus Holz gefertigt wie die Schäfte der Hakenbüchsen, Wasserleitungsrohre, die Flußbrücken und ihre Pfeiler.

Die Schiffe und Plätten, die Schiffsmühlen an den Flüssen, die Salzkufen und Bottiche, Bierfässer und Hauseinrichtungsgegenstände, die Zuber, Spinnräder und Webstühle, alles war aus Holz hergestellt. Noch um 1809 bearbeiteten in Passau fünf Faßbinder, drei Drechsler, 13 Schiffsbaumeister, elf Schreiner, zwei Wagner und vier Zimmerer mit ihren Gesellen und Lehrlingen das Holz aus dem ehemaligen Abtei-Wald.

So entstanden die schönen alten Haustüren oder kunstvolle Kästen und Truhen, Sakristeischränke, Kanzeln und Altäre. Denn gerade die Holzschnitzer waren es, die ehedem großen Ruhm über die Stadtgrenzen hinaus sich erwarben.

Einer der berühmtesten hatte aber hart gegen die Kollegen zu kämpfen. Vor fast 300 Jahren hatte der damals 20jährige Geselle Matthias Götz beim Rat der Stadt um Zulassung als Bildhauer ersucht. Doch die übrigen ortsansässigen Bildhauer bezeichneten ihn als Pfuscher und Fretter. Darauf empfahl ihm der Rat doch eine Passauer Bildhauerstochter zu heiraten, um sich so eine Bildhauergerechtsame zu sichern.

Aber Matthias Götz verschmähte es, sich auf diese Weise der Handwerkszunft zu beugen. Zu seinem Glück nahm ihn die Augustinerprobstei St. Nikola (heute Teil der Universität) vor den Toren der Stadt auf, die von jeher einen Bildhauer freie Wohnung und Verpflegung gewährt hatte.

Heute findet man seine kunstvollen Werke in Kirchen und Klöstern von Straubing bis Krems. Selbst der Hochaltar (1723) der berühmten Asam-Kirche in Aldersbach stammt aus seiner Werkstatt. Schließlich triumphierte er sogar über seine Passauer Kollegen. Mit dem Orgelgehäuse (1731) der Passauer Domorgel machte er sich auch in der Dreiflüssestadt unsterblich.