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    Mutterkirche des Ostens
    Im 9. Jahrhundert als Vorwerk Roms gegen Byzanz bezeichnet, gilt der Passauer Stephansdom als die Mutterkirche des römisch-katholischen Donau-Ostens. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war die Kathedrale die Bischofskirche der damals flächenmäßig größten deutschen Diözese.
    Nicht nur als religiöses Zentrum der Region, sondern auch als Denkmal von europäischem Rang hat sich der Dom einen einmaligen Ruf erworben. Vom ursprünglich romanischen Bau ist leider nichts erhalten geblieben. Die spätgotische Kathedrale mit der imposanten Vierungskuppel wurde nach dem verheerenden Stadtbrand 1662 um ein adäquates Langhaus im Stil des Hochbarock von oberitalienischen Künstlern ergänzt.
    Reich geschmückt mit Fresken ist der Stephansdom auch mit der größten Kirchenorgel der Welt ausgestattet. Ist die kleinste Pfeife nur sechs Millimeter lang, mißt die größte gut elf Meter bei einem Durchmesser von 47 Zentimetern. Wenn auch im 17. Jahrhundert begonnen, so wurde die heutige Orgel 1979/80 völlig erneuert und vergrößert.
    Fast 300 Jahre nach der Erbauung der barocken Bischofsgruft entschloß sich 1971 das Domkapitel zu einer gründlichen Renovierung. Seither ist die letzte Ruhestätte vieler Passauer Bischöfe unter dem Chor den Domes zweimal im Jahr den Besuchern zugängig. An Allerheiligen/Allerseelen und am Todestag des zuletzt verstorbenen Bischofs können die Gläubigen nach dem Pontifikalrequiem die Eisensarkopharge in der Krypta sehen.
    Ob die ersten Bischöfe, von Vivilo bis Graf Heinrich von Bergen, in dieser Unterkirche ihre letzte Ruhestatt gefunden haben, ist zwar nicht nachzuweisen, aber wahrscheinlich. Seit 1254 pflegte man die Bischöfe im Kirchenraum selbst beizusetzen.
    Doch die 1678 neu erbaute Domgruft ist grundsätzlich die Grablege der Passauer Bischöfe. Der erste Bischof, den die Gruft in ihrer neuen Gestalt aufnahm, war Wenzeslaus Graf von Thun und Hohenstein (1664-73), der verdienstvolle Wiedererbauer des Domes und der Residenz. Wie ein Vertrag vom 8. Mai 1678 bestätigt, wurde der Baumeister des barocken Domes, Carlo Lurago, auch mit dieser Aufgabe betraut.
    Für 750 Gulden schuf er die zwölf Kreuzgewölbe, die sich auf sechs Mittelpfeiler stützen. Das Baumaterial wurde vom Hochstift zur Verfügung gestellt. Seit der Renovierung trennen schmiedeeiserne Gitter mit Kerzenleuchtern, geschaffen vom Bildhauer Leopold Hafner, die Seitenschiffe vom Mittelgang.
    Doch nicht alle Oberhirten seit dem 17. Jahrhundert wurden in der Krypta bestattet. Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg ruht in der Lambergkapelle des Domkreuzganges. Leopold Graf von Thun, von der Säkularisation aus der Dreiflüssestadt vertrieben, liegt auf einem Friedhof in der Nähe von Prag begraben. Ebenso wurden die Bischöfe des 19. Jahrhunderts nicht in der Domgruft beigesetzt. Erst Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf (+ 1936) und Simon Konrad Landersdorfer (+ 1971) fanden hier wieder ihre letzte Ruhestätte.

     

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