Wir betrauern die Toten und sie haben doch Frieden. Dieses Hölderlinwort auf Franz Mader anzuwenden, ist mehr als angebracht. Eine ganze Stadt hat Grund zum Trauern, denn mit Franz Mader ist gestern in den Morgenstunden ein ganz Großer aus ihrer Mitte heim gegangen zu seinem Schöpfer. Glauben heißt Rechnen mit Gott. Franz Mader hat geglaubt und immer mit Gott gerechnet. Und so, als hätte er geahnt, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, hat er Ende letzten Jahres begonnen, die Buchhaltung seines Lebens zu ordnen. Er hat den Posten des Stadtheimatpflegers abgegeben. Seit 1984 hat er in diesem Amt gewirkt, beinah Tag und Nacht, wie all jene wissen, die von ihm kein Nein und immer profundes Wissen auf jede Frage erhalten haben. Er war ein unermüdlicher Jäger der verlorenen Ereignisse. Er hat geschürft und entdeckt.

Ein Bewahrer von Werten


Als er seinen begehrten und beliebten Rückblick "Passau vor 100 Jahren" für 2006 vorlegte, hat er am Ende all seine Schriften bibliografiert. Drei eng beschriebene Seiten sind es, die Fülle eines immensen Forschens in Sachen Heimat- und Stadtgeschichte. Als ich ihn zu Jahresanfang vom Geburtstag seines Freundes Kurt Maier heimfahren durfte, drückte er mir sein letztes Werk in die Hand: "Die kirchlichen Amtsinhaber im Bistum Passau von 1906 bis 2005". Am Tag, als er es öffentlich Bischof Wilhelm Schraml übergeben wollte, musste er ins Krankenhaus. Herz und Kreislauf machten ihm zu schaffen. Dabei wollte er noch einiges zu Ende bringen. Die letzten Wochen und Monate hat er gekämpft. Doch die Kräfte schwanden immer mehr. Konservativ sein ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt. Franz Mader wusste darum, und er war ein Bewahrer von Werten, überkommenen, zeitlos gültigen Werten aus der Tiefe seines christlichen Glaubens heraus. Er war eine jener Bastionen des bürgerlichen Bewusstseins, für den Nächsten da sein zu müssen, die immer seltener werden. Grundehrlich und gerecht war er, penibel sorgfältig und immens fleißig. Seit er 1972 die Geschichte der Gemeinde Heining verfasst hat, ist er immer tiefer eingedrungen in die Geschichte seiner Stadt und ihrer Teile. Unvergessen wird sein Werk "Tausend Passauer" bleiben. Auf spannende Weise Stadtgeschichte schreiben, das konnte Mader. Das stellte er auch als jahrzehntelanger Mitarbeiter unserer Zeitung unter Beweis. Sein "Damals" ist für viele tägliche Pflichtlektüre geworden. Nicht nur für den Kunstverein hat er geschrieben, auch für das Institut für Ostbairische Heimatforschung und für die Lamplbrüder hat er gewirkt. Letzteren galt ein großer Teil seiner Mühen. Er wurde zum spiritus rector dieses ältesten Passauer Vereins, der sich um die Armen kümmert und viel auf Tradition baut.

"Passau verliert eine große Persönlichkeit"


Der 1931 in Simbach geborene Franz Mader wohnte seit 1955 in Passau, zuletzt viele Jahre in Rittsteig. Der gelernte Kaufmann wirkte zuerst in der Hefefabrik Wieninger, dann in der Brauerei Hacklberg. Seine Bestimmung aber fand er als Diözesankustos, der mit Eduard Pletl das Kunstreferat der Diözese aufbaute und 200 Pfarreien hinsichtlich ihres Kunstgutes inventarisierte. Ganz stolz machte ihn die Ausstellung Passavia Sacra, die 1975 rund 75 000 Besucher lockte. Stolz war er auch auf den Oswald-Ring, der für Verdienste um die Stadtgeschichte vergeben wird und immer nur einen Träger hat. Franz Mader war zudem Träger des Päpstlichen Ritterordens vom Hl. Gregor. Vermächtnis Maders bleiben wird aber auch das Passauer Glockenspiel, das 1991 der Bestimmung übergeben werden konnte. Glocke 19 mit dem viergestrichenen E hat er selbst gespendet. Und auch, dass der Wittelsbacher Brunnen am Residenzplatz seit 2004 wieder in neuem Glanz erstrahlt, ist sein Verdienst. "Mit dem Tod von Franz Mader verliert die Stadt Passau eine große und verdiente Persönlichkeit. Ich persönlich betrauere den Verlust eines Freundes und politischen Weggefährten." So wie OB Albert Zankl denken viele. Mader war auch für die CSU im Stadtrat (1978-1990) und war ehrenamtlich in seiner Heimatpfarrei Neustift tätig. Darüber hinaus war er Dekanats- und Diözesanrat und viele Jahre im Katholischen Kreisbildungswerk und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung aktiv. Das Leben auf Erden währt nicht ewig. Franz Mader wusste das. Sein Leben aber, das so vielen so viel gegeben hat, und seine Schriften und Bücher werden beispielhaft bleiben. Franz Mader wird am Karsamstag in Neustift zu Grabe getragen.

Stefan Rammer