
Lokalteil Passau-Stadt vom 22.02.2003200 Jahre Säkularisation: Festakt
im Rathaus - Spendenaktion für den Residenzbrunnen
von Ariane Freier
Wäre Passau 1803 nicht zu Bayern gekommen, wäre es von Österreich annektiert
worden. Und statt der bayerischen hätte es eine österreichische Säkularisation
gegeben. Die Zeit des Hochstifts war vorbei. Der Kampf um die Vormacht in Europa
hatte begonnen. Und unter diesen Umständen brauchte der Staat einen
einheitlichen Untertanen-Verband, dessen Leistungsfähigkeit er sich zu Nutzen
machen konnte.
"Die Säkularisation", sagt Dr. Herbert Wurster, Direktor des
Bistumsarchivs, in seiner Festrede anlässlich des Ereignisses vor 200 Jahren im
Rathaussaal, "ist Teil eines umfassenden Prozesses, den die
Geschichtswissenschaft heute Modernisierung nennt."
Ein Bruch, der alle Lebensbereiche erfasste, die Aufgabe der bisherigen Identität
Passaus als Residenzstadt erzwang und das Ende des Heiligen Römischen Reichs
einläutete. Wurster machte den illustren Gästen aus Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft und Kultur aber nicht nur den Verlust durch die Reform, sondern
auch den Gewinn deutlich.
In der Tat hat die Säkularisation die Alte Kirche zerschlagen, den Fürsten
abdanken lassen, die Pfarreien ihrer materiellen Grundlage beraubt, die Stadt
ihrer kulturellen Schätze und des historischen Erbes. Das eigenständige Leben
und Wirken wurde vernichtet, Passau wurde zur "Provinz".
Andererseits konnte Bayern nur durch die Abschaffung der Kleinstaaterei zu einer
mitteleuropäischen Macht aufsteigen. Staatssekretär Hermann Regensburger vom
Bayerischen Innenministerium - quasi ein Amtsnachfolger des "Schöpfers des
modernen Bayern", des damaligen Ministers Maximilian Graf von Montgelas -
verweist auf die kommunale Selbstverwaltung, die Einführung der Weichen
stellenden Verfassung, verbürgtes Bürger- und Wahlrecht und die Gleichheit vor
dem Gesetz. "Die Bayerische Staatsregierung ist froh", sagt
Regensburger, "dass Passau als europäisches Kernland zu diesem Bayern gehört
und zu seiner Bereicherung beiträgt."
Auch wenn die Passauer lange gebraucht haben, um sich als Bayern zu fühlen,
spricht Wurster von bayerischer Identitätsbildung, die Traditionen fortsetze:
"Wir dürfen die beständige Pflege der Verbindung mit Menschen und Ländern
jenseits der Grenze als fürstbischöfliches Erbe herausstellen, das im
Zeitalter der EU an Modernität nicht zu überbieten ist."
Das freut Bischof Wilhelm Schraml natürlich, der seinerseits betont, dass
"weder Reich noch Stadt schlecht mit ihren Fürstbischöfen gefahren"
sind. Die zahlreichen caritativen Stiftungen und Vereinigungen seien eine
reiche, lebenskräftige Hinterlassenschaft jener Epoche. "Keinesfalls
wollen wir mit Nostalgie auf fürstbischöfliche Pracht zurückschauen, vielmehr
wollen wir uns freuen über das geistig-geistliche Erbe von 800 Jahren fürstbischöflicher
Stadtherrschaft über Passau. Ein Erbe, das auch der bayerischen Stadt Passau
wohl ansteht und von ihr zu Recht gepflegt wird, damit es Stadt, Bewohnern und
allen Menschen, die mit ihr in Beziehung treten, wohl ergehe."
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