
Lokalteil Passau-Stadt vom 11.05.2002
Langemarck-Straße - Erinnerung
an die Verirrungen der Vergangenheit
PNP-Straßennamenrätsel: Dort fand 1914 eine große Schlacht statt
Auerbach (do). Die Langemarck-Straße bezieht sich auf einen der ersten
Schlachtorte des Ersten Weltkriegs, wusste u.a. Dr. Michael Weithmann, der auch
unseren heutigen Preis gewinnt. Der Ort liegt bei Ypern in Belgien. Vom 18.
Oktober bis Ende November 1914 fielen dort auf deutscher Seite 45 000 Männer,
überwiegend 18- bis 20-jährige Abiturienten und Studenten, die sich
"begeistert", aber militärisch völlig unvorbereitet zur Front
gemeldet hatten und vom preussisch-deutschen Generalstab gnadenlos verheizt
wurden. Nach 1918 und besonders im Dritten Reich pflegte man den "Langemarck-Mythos"
vom - angeblichen - Opfertod junger deutschen Soldaten gegen einen übermächtigen
Gegner.
In Wirklichkeit schickte man unerfahrene, idealistisch aufgeputschte Jugendliche
mit veralteter Bewaffnung (Zündnadelgewehren) gegen die bekannterweise mit
modernsten Krupp- und Loewe-Maschinenkanonen ausgestattete Festung. Das Ziel der
deutschen Führung bestand darin, in Deutschland einen Rache-Effekt
hervorzurufen, was auch gelungen ist. Auch Weithmanns Großvater war in dieser
Schlacht dabei - und überlebte.
Auch spätere Schlachten, in denen insgesamt 100 000 deutsche Soldaten fielen,
darunter auch über 1000 des in Passau stationierten 16. Infanterieregiments,
sind in die Kriegsgeschichte eingegangen, ergänzt Stadtheimatpfleger Franz
Mader. Als 1934 in der Nähe des "Auerbacher Stachus" die neue
Siedlungsstraße, eine Seitenstraße des Söldenpeterweges mit heute 35
Einfamilienhäusern, angelegt wurde, haben die Ratsherren diese zum steten
Gedenken an die bei Langemarck Gefallenen nach dieser Stadt benannt.
© Passauer Neue Presse