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Eine große Wohltäterin und Unternehmerin
Ilse-Marie Atzinger starb im Alter von 89 Jahren

Ilse-Marie Atzingers größter Wunsch konnte zu ihren Lebzeiten nicht mehr erfüllt werden: Im Februar 2007 sollte der „König des Walzers“ André Rieu in München ihre wertvolle Stainer-Geige spielen. Es wäre für sie das schönste Geschenk zum 90. Geburtstag gewesen. Die Geige sollte später zu Gunsten der Ilse-Marie-Atzinger-Stiftung versteigert werden. Diese hoch dotierte Stiftung hat den Zweck, Kinder zu unterstützen, die arm sind oder denen Gewalt angetan wurde.

Ilse-Marie Atzinger wurde am 8. Februar 1917 in Liebstadt bei Dresden geboren. Ihr Vater Dr. Anton Atzinger, der in Passau Abitur gemacht hatte, eröffnete dort 1911 nach seinem Studium der Veterinärmedizin und Pharmakologie eine Tierklinik.

1921 gründete Dr. Atzinger ein eigenes Pharmazieunternehmen in Berlin. Im 2. Weltkrieg wurde die Firma zweimal ausgebombt und so entschloss sich Dr. Atzinger 1944 in seine Heimat Passau umzusiedeln.

Ilse-Marie Atzingers Leben war über siebzig Jahre untrennbar mit der Firma Dr. Atzinger GmbH und Co.KG verwoben. Als der Gründer 1966 starb, übernahm zunächst sein Sohn Horst die Firma, nach dessen Tod, 1984, führte Ilse-Marie Atzinger den Betrieb alleine.

1983, als die pharmazeutische Fabrik wegen der Universitätserweiterung verlagert werden musste, wurde am Mollnhof auf 12.000 Quadratmeter ein modernes Betriebsgelände errichtet. Über 50 Jahre lang zählte „Dr. Atzinger Arzneimittel“, das besonders durch die Leukona-Bäder europaweit bekannt war, zu den größten Gewerbesteuerzahlern der Stadt.

Von der Gesundheitsreform war das Unternehmen besonders betroffen, weil bis dahin fast alle Bäder ärztlich verordnet wurden. Vor zwei Jahren kam die bisher schmerzlichste Entscheidung für die damals 87jährige, sie musste die Firma, „ihr Lebenswerk“, schließen und ihre langjährigen Angestellten entlassen.

Ihr Ziel war es aber, dass weiterhin die Atzinger-Präparate in Lizenz hergestellt und vertrieben werden. Zwar realisiert, musste sie dabei aber schwere persönliche Enttäuschungen erleben.

Einen großen Teil ihrer Kraft und Lebensenergie bezog Atzinger aus der Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen, wie Stadtpfarrer Josef Hirsch in seiner Traueransprache am Samstag in der Friedhofskirche St. Severin betonte.

Eine Rheuma-Klinik für Kinder in Garmisch-Partenkirchen hat sie mitfinanziert, dem Passauer Kinderschutzbund war sie ebenfalls als große Wohltäterin verbunden. Schwerkranken Kindern im Bayerischen Wald hat sie ein behindertengerechtes Haus gebaut. Für die Pfarrgemeinde St. Nikola hat sie nicht nur einen großen Teil der Orgelfinanzierung übernommen, sondern war auch im Pfarrgemeinderat und in der Jugendbetreuung aktiv. Ihren Urlaub verbrachte Atzinger, die früher gerne Fußball spielte, als Betreuerin in Jugendferienlagern, für die „Ministranten-Omi“ die schönste Zeit, wie sie immer gerne erzählte.

Nach mehreren Hüftoperationen schwer in ihrer Mobilität eingeschränkt, besuchte sie Mitte September diesen Jahres zum letzten Mal den stillgelegten Pharmabetrieb. Sie selbst noch hat festgelegt, welche Unterlagen künftig im Stadtarchiv die Geschichte der Familie Atzinger widerspiegeln werden.

Mit dem Tod von Ilse-Marie am 22. Oktober endet die Familien- und Firmengeschichte der Atzingers, die Passau im 20. Jahrhundert wesentlich mitgeprägt hat, in Passau. In der Ilse-Marie-Atzinger-Stiftung wird ihr soziales Lebenswerk weitergeführt.

Richard Schaffner

Stadtheimatpfleger

 

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